Von Profi Golfer Lukas Nemecz empfohlen

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Mehr Ausdauer beim Golf

Eine Golfrunde dauert selten unter vier Stunden. Viele Spieler spüren die Herausforderung nicht auf den ersten neun Loch, sondern erst gegen Ende. Ausdauer im Golf bedeutet, über mehrere Stunden hinweg körperlich und mental leistungsfähig zu bleiben.

Simone Kumhofer, MMSc.
Autorin

Simone Kumhofer, MMSc.


Warum Golf Ihre Ausdauer stärker fordert als gedacht

Auch ohne Sprints oder permanente Bewegung legt ein Golfer pro Runde mehrere Kilometer zurück. Hinzu kommen wiederholte Rotationsbewegungen, Konzentrationsphasen und äußere Einflüsse wie Hitze oder Wind. Der Energieverbrauch entsteht nicht nur durch die Muskulatur. Auch Ihr Gehirn arbeitet kontinuierlich. Entscheidungen, Schlagplanung und emotionale Kontrolle benötigen ebenfalls Energie. Je länger eine Runde dauert, desto stärker werden Energiespeicher beansprucht. Wenn keine kontinuierliche Versorgung erfolgt, kann sich das gegen Ende deutlich bemerkbar machen.


Was passiert bei nachlassender Ausdauer?

Nachlassende Ausdauer kündigt sich selten abrupt an. Meist beginnt es mit kleinen Veränderungen, die im Spielfluss kaum auffallen. Vielleicht fühlt sich der Schwung nicht mehr ganz so dynamisch an wie zu Beginn der Runde. Die Schritte werden schwerer, die Körperspannung lässt nach.

Mit der Zeit zeigen sich typische Muster:

  • Die Schwunggeschwindigkeit nimmt leicht ab
  • Die Haltung wirkt weniger aufgerichtet und kontrolliert
  • Die Aufmerksamkeit lässt schneller nach
  • Kleine technische Ungenauigkeiten schleichen sich ein

Oft wird das vorschnell als reines Konzentrationsproblem eingeordnet. Tatsächlich liegt die Ursache jedoch häufig tiefer. Hinter diesen Veränderungen steht meist ein nachlassender Energiestatus. Wenn die verfügbaren Energiereserven reduziert sind, kann der Körper nicht mehr in gleicher Weise Leistung abrufen. Die Muskulatur arbeitet weniger effizient, die Koordination wird ungenauer und auch die geistige Klarheit nimmt ab. Gerade auf den letzten Löchern zeigt sich, wie gut Ihre Energie über den Tag verteilt war.


Wie Sie Ihre Ausdauer stärken können

Ernährung und Flüssigkeit

Ein ausgewogenes Frühstück mit komplexen Kohlenhydraten und einer Eiweißquelle schafft eine gute Ausgangsbasis für mehrere Stunden auf dem Platz. Komplexe Kohlenhydrate werden langsamer verdaut und liefern gleichmäßiger Energie. Eiweiß unterstützt den Erhalt der Muskulatur und trägt zur Sättigung bei. Während der Runde ist es sinnvoll, kleinere Snacks einzuplanen, anstatt lange Pausen ohne Nahrungsaufnahme zu lassen. So bleibt die Energiezufuhr konstant und größere Leistungseinbrüche lassen sich besser vermeiden. Ebenso wichtig ist die Flüssigkeitszufuhr. Bereits ein geringer Flüssigkeitsverlust kann sich auf Leistungsfähigkeit und Konzentration auswirken. Trinken Sie daher regelmäßig, auch wenn Sie noch keinen deutlichen Durst verspüren. Diese einfachen Maßnahmen bilden das Fundament jeder Strategie für mehr Ausdauer.


Der Energiestoffwechsel

Damit Sie über vier oder fünf Stunden hinweg leistungsfähig bleiben, muss Ihr Körper kontinuierlich Energie bereitstellen. Beim Golf passiert das vor allem über den aeroben Stoffwechsel. Dabei werden Kohlenhydrate und Fette unter Sauerstoffverbrauch in Energie umgewandelt. Diese Umwandlung ist kein „automatischer" Vorgang, sondern besteht aus vielen kleinen Schritten im Stoffwechsel. Genau dafür braucht der Körper bestimmte Mikronährstoffe. Sie liefern keine Energie wie Kohlenhydrate oder Fett, sie unterstützen aber die Abläufe, mit denen Ihr Körper diese Energie überhaupt nutzbar macht.

Magnesium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel sowie zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei und unterstützt die normale Muskelfunktion. Bei langen Runden, in denen Sie immer wieder gehen, stehen, schwingen und konzentriert bleiben, kann eine gute Versorgung mit Magnesium deshalb besonders hilfreich sein.

Ähnlich ist es bei den B-Vitaminen. Auch Vitamin B6 unterstützt einen normalen Energiestoffwechsel und fördert eine normale Funktion des Nervensystems. Zusätzlich ist es am Eiweißstoffwechsel beteiligt. Das ist gerade dann relevant, wenn Muskulatur über viele Stunden hinweg wiederholt beansprucht wird.

Vitamin B12 trägt ebenfalls zu einem normalen Energiestoffwechsel bei, unterstützt eine normale Funktion des Nervensystems und trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Viele Golfer merken den Unterschied nicht in Form eines Kicks, sondern eher daran, dass die geistige Klarheit länger erhalten bleibt und der Tag sich insgesamt weniger zäh anfühlt.

Wenn Energiestoffwechsel und Nervensystem gut versorgt sind, steht dem Körper über längere Zeit Energie zur Verfügung. Das macht sich körperlich bemerkbar, aber auch mental, etwa bei Aufmerksamkeit, Entscheidungen und Geduld gegen Ende der Runde.


Pflanzenextrakte und Aminosäuren bei langen Spieltagen

Neben Vitaminen und Mineralstoffen enthalten manche Produkte Pflanzenextrakte und Aminosäuren, die häufig in Zusammenhang mit Wachheit, Belastbarkeit und Fokus genannt werden.

Guarana-Extrakt enthält natürliches Koffein. Viele schätzen Guarana, weil es im Vergleich zu Kaffee oft als gleichmäßiger empfunden wird.

Grüntee-Extrakt enthält ebenfalls Koffein sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Diese Kombination wird häufig genutzt, wenn Wachheit gefragt ist, ohne sehr hohe Koffeinmengen einzusetzen.

Ginsengwurzel-Extrakt wird traditionell als adaptogene Pflanze verwendet. Adaptogene werden damit in Verbindung gebracht, dass der Körper besser mit Belastung umgehen kann.

Mangiferin ist ein Pflanzenstoff, der aus der Mango bekannt ist und häufig im Zusammenhang mit antioxidativen Eigenschaften beschrieben wird.

L-Tyrosin ist eine Aminosäure und Vorstufe bestimmter Neurotransmitter wie Dopamin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe stehen in Verbindung mit Aufmerksamkeit und Motivation. L-Tyrosin wird daher oft dann eingesetzt, wenn geistige Wachheit über einen längeren Zeitraum unterstützt werden soll.

Akazienfaser liefert lösliche Ballaststoffe. Ballaststoffe fördern eine normale Verdauungsfunktion und können dabei helfen, dass die Nährstoffaufnahme gleichmäßiger verläuft. Auf einer langen Runde kann das angenehm sein, weil der Magen nicht zusätzlich belastet wird und die Energiezufuhr weniger sprunghaft wirkt.


Supplements für längere Leistungsfähigkeit

Wenn Sie in Turnierphasen mehrere Tage hintereinander spielen oder an langen Runden merken, dass Ihnen zum Schluss die Kraft und Aufmerksamkeit fehlt, kann eine ergänzende Zufuhr ausgewählter Mikronährstoffe hilfreich sein. Energie- und Ausdauerkapseln können den normalen Energiestoffwechsel unterstützen und dazu beitragen, Müdigkeit und Ermüdung zu verringern.


Körper und Kopf arbeiten auf der Runde zusammen

Beim Golf merken Sie schnell, dass Ausdauer mehr ist als Kondition. Wenn die Energiereserven sinken, wird nicht nur der Schwung schwerer, sondern oft auch der Kopf. Entscheidungen dauern länger, die Geduld wird kürzer und die Konzentration rutscht leichter weg. Umgekehrt kann ein mental anstrengender Tag auch körperlich müde machen. Wer sich über viele Löcher innerlich unter Druck setzt, ständig rechnet oder sich über Fehler ärgert, fühlt sich am Ende häufig deutlich erschöpfter, obwohl die Strecke dieselbe war.

Wenn Sie beides im Blick behalten, wird es leichter, über die gesamte Runde hinweg ein gleichmäßiges Niveau zu halten. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßiges Trinken, ausreichend Erholung und bei Bedarf eine ergänzende Nährstoffzufuhr greifen hier sinnvoll ineinander.

Über die Autorin:
Simone Kumhofer, MMSc.
Simone Kumhofer, MMSc.

Simone Kumhofer ist klinische Ernährungsmedizinerin, Sport- und Ernährungswissenschaftlerin sowie Leiterin des Forschungszweigs Orales Mikrobiom am Institut AllergoSan. Als ehemalige Triathlon-Profisportlerin verbindet sie wissenschaftliche Expertise mit langjähriger Praxiserfahrung in der leistungsorientierten Gesundheitsförderung. Sie ist medizinisch-wissenschaftliche Leiterin der Dr. med. Schütze GmbH und verantwortet die Entwicklung innovativer, mikrobiomfreundlicher Präventions- und Therapiekonzepte – mit einem besonderen Fokus auf Sporternährung, mitochondriale Gesundheit, orale-systemische Zusammenhänge und Longevity-Medizin. Ihre Schwerpunkte umfassen die Interaktion von Darm- und oralem Mikrobiom mit dem Immunsystem, die Rolle der Mitochondrien in Gesundheit und Leistung sowie die evidenzbasierte Entwicklung funktioneller Produkte. Als Speakerin bei Fachkongressen, wissenschaftlichen Symposien und interdisziplinären Fortbildungen bringt sie aktuelle Forschung verständlich und praxisnah auf den Punkt – mit dem Ziel, Prävention neu zu denken und Gesundheitskompetenz nachhaltig zu stärken.